Akademik Cherskiy (Akademik Tscherski) für Nord Stream 2

1. Einführung

2. Beschreibung Akademik Cherskiy

 Akademik Chersky (Quelle: Gasprom Flotte)

Der Rohrleger Akademik Cherskiy wurde 2015 bei der Hantong Ship Machinery Equipment (Tongzhou) Co., Ltd, China als Jascon 18 am 21. 10.2015 in Dienst gestellt und 2016 an Gazprom nach Russland verkauft. Sie ist 150 m lang, 38,5 m breit und bei 11.000 tdw Tragfähigkeit mit 29.513 BRZ vermessen. Heimathafen ist Kaliningrad, Rufzeichen ist UDQB und das Schiff hat Einrichtungen für 385 Personen. Ein Hubschrauberlandedeck ermöglicht einen flexible Personaltransfer und 3 Krane (1×1800 t, 2×40 t) sorgen für die Anbordnahme unterschiedlich schwerer Güter und Equipment.

Die dieselelektrische Antriebsanlage bestehend aus 8 Dieselgeneratoren (8 x 3950 Nennleistung) mit insgesamt 27.200 kW Nennleistung, 2 Propellergondeln mit jeweils 3000 kW Nennleistung und Bug- und Heckstrahlern ermöglicht eine dynamische Positionierung (DP3) und bei 6,8 m Tiefgang eine Nenngeschwindigkeit von 15 kn.

Als Ersatz können zwei russische Schiffe von Gasprom bzw. verbundenen Firmen eingesetzt werden. Die Akademik Cherskiy mit eigenem Antrieb und die Fortuna ohne eigenen Antrieb. DIe Fortuna zieht sich mit starken Winden an Ankern vorwärts, die von mehreren Ankerziehschlepper jeweils neu verlegt werden.

3. Rohrleger Fortuna


Sie ist beim russischen Register Maritime Register of Shipping unter der Nr. RS 071282 eingetragen und hat die IMO Nr. 8770261. Die Akademik Cherskiy lag Ende Dezember 2019 im Hafen von Nachodka und soll die Gaspipeline Nord Stream 2 nach dem Baustopp fertigstellen, nachdem die Verlegeschiffe der Firma Allseas abbgezogen wurden.

 Rohrleger Fortuna ( Quelle Wikipedia)

Daher ist sie auf dem Weg in die Ostsee (siehe Karten oben). Diese russischen Schiffe sind jedoch deutlich langsamer als die bisher eingesetzten. Die Akademik Cherskiy schafft etwa ein Kilometer pro Tag im Vergleich zu rund 6 km/Tag der Pioneering Spirit von Allseas.

Ankerziehschlepper mit Anker an Deck (Wikipedia Ciacho 5)

Dem Rohrleger Fortuna fehlt das dynamische Positionierings System (DPS) bestehend aus der elektronischen Anlage zum Empfang der Satellitensignale, der entsprechenden Regeleinrichtung sowie den notwendigen Bug- und Heckstrahlern. Letztere setzen die Steuersignale des DPS-Sytems in den notwendigen Schub um, damit das Verlegeschiff trotz Wind und Strömung an der jeweils richtigen Stelle bleibt.

Die Fortuna bewegt sich mit Hilfe von Ankern und zieht sich mit dem Einsatz von von bordseitigen  Ankerwinden in die gewünschte Richtung. Ist die jeweilige Ankerkette dann zu kurz, wird der Anker von sogenannten Ankerziehschleppern aufgenommen (gezogen) und mit der auslaufenden Kette in dieser Richtung weiter voraus wieder abgesenkt. Daher gehören zu diesem Rohrleger mehrere Ankerziehschlepper, um die 12 Anker dem Rohrlegefortschritt entsprechend aufzunehmen und wieder abzusenken.

Rohrleger Solitaire

(Quelle Wikipedia)

4. Baustopp bei der Gaspipeline Nord Stream 2

Im Rahmen der Verlegung der 1225 km langen umstrittenen aus 2 parallelen Rohren bestehenden Gaspipeline Nord Stream 2 gab es seitens der USA Androhungen von Sanktionen gegenüber Nord Stream 2 AG und den beteiligten Firmen. Als US-Präsident Donald Trump die Sanktionen Mitte Dezember 2019 per Unterschrift in Gang setzte, erfolgte ein Baustopp.

Verlauf der Pipelines Nordstream von Rußland nach Deutschland (Quelle Nordstream 2)

Die für die Verlegung der Pipeline verantwortliche Schweizer Firma Allseas hat ihre Verlegungsschiffe nach dem Baustopp abgezogen.Die Pioneering Spirit traf am 26. Dezember 2019 im norwegischen Kristiansand ein und die Solitaire ankert seit dem 25. Dezember 2019 auf der Reede des dänischen Hafens Nyborg. Die fehlenden rund 160 km sollen jetzt von Akademik Cherskiy fertiggestellt werden.

Universal-Arbeitsschiff Pioneering Spirit (Quelle Wikipedia)

Als Antwort plant Polen die Baltic Pipe mit Gas aus Norwegen

5. Hintergrund

5.1 Projektgesellschaft New European Pipeline AG (PNEP)

PJSC Gazprom (Russland), E.ON (heute Uniper) und Wintershall (beide Deutschland), Royal Dutch Shell, OMV (Österreich) und Engie (Frankreich; vormals GDF SUEZ S.A.) unterzeichneten im September 2015 einen Aktionärsvertrag und gründeten die Projektgesellschaft New European Pipeline AG (PNEP) mit Sitz in Zug (Schweiz). Später wurde die Projektgesellschaft PNEP in Nord Stream 2 AG umbenannt. Die Umbenennung erfolgte im Rahmen der Entwicklung des Projekts, das die gleichnamige Gaspipeline bauen sollte. Gazprom war an PNEP zunächst mit 50 % des ursprünglich auf 8 Mrd. Euro bezifferten Investitionsvolumens beteiligt, BASF/Wintershall, Engie, Uniper, OMV und Royal Dutch Shell beteiligen sich nach wie vor mit je 10 %. Die polnische Wettbewerbsbehörde hatte in einem Kartellverfahren Einspruch gegen den Zusammenschluss mehrerer europäischer Unternehmen zu einem Joint Venture mit Gazprom eingelegt. Der Zusammenschluss würde zu einer Einschränkung des Wettbewerbs führen und die Verhandlungsposition von Gazprom weiter stärken, so die Begründung

Vorsitzender des Verwaltungsrats der Projektgesellschaft war Gerhard Schröder. Wie auch schon bei der ersten Pipeline wirkte Schröder als Wirtschaftslobbyist und organisierte wiederholt Treffen zwischen dem Geschäftsleiter von Nord Stream Matthias Warnig und Schröders SPD-Kollegen und Außenminister Sigmar Gabriel sowie zwischen Gazprom-Chef Alexej Miller und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Im April 2017 wurde bekannt, dass Gazprom bis auf weiteres alleiniger Eigentümer der Nord Stream 2 AG bleibt, die zuvor daraus als Partner ausgeschiedenen fünf europäische Energieversorger aber je 10 % der Baukosten von 9½ Mrd. Euro für die Pipeline, also jeweils bis zu 950 Mio. Euro finanzieren wollten.

5.2 Genehmigungen für Bau und Betrieb

Die Gesellschaft Nord Stream 2 AG äußerte Mitte 2017, man rechne damit, Ende 2017 oder Anfang 2018 alle Genehmigungen für Bau und Betrieb erhalten zu haben. Für das umstrittene Streckenstück (wegen Laichgründe der Dorsche)  in der dänischen Ausschließlichen Wirtschaftszone um die Insel Bornholm reichte die Nord Stream 2 AG am 10. August 2018 einen Alternativantrag für eine Nord-West-Route um die Insel Bornholm in Dänemark ein.Die dänische Energieagentur DEA (Energistyrelsen) hat am 30. Oktober 2019 die Genehmigung für den Bau der zwei Nord-Stream-2-Pipeline-Stränge im Bereich der dänischen AWZ nun über eine Route weit östlich von Bornholm erteilt. Damit hat das Projekt alle erforderlichen Genehmigungen.

Für Gazprom entstehen zusätzliche Kosten in Form neuer Zuleitungen innerhalb Russlands, die die Kosten für Nord Stream 2 überstiegen. Ein Analytiker der Sberbank schrieb in einem Bericht Anfang 2018, die zu erwartenden Investitionen würden erst nach zwanzig Jahren amortisiert. Aufgrund der harschen Reaktion von Gazprom wurde der Autor des Reports fristlos entlassen.

An der Landstation in Lubmin kommt das Erdgas an (180 bar), wird gemessen, erwärmt, gereinigt und weitergeleitet.

6.  Landstation in Lubmin

Die Erdgasübernahmestation in Lubmin bei Greifswald ist die Schnittstelle zwischen der Offshore-Pipeline Nord Stream und den beiden Anschlussleitungen NEL (Nordeuropäische Erdgasleitung) und OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung), die das russische Erdgas weiter zu den europäischen Transportkunden transportieren.

Der Bereich teilt sich in einen Anlagenbereich mit 180 bar (maximal zulässiger Betriebsdruck) sowie einen „105 bar“-Bereich. Der „180 bar“-Bereich verfügt über Filter, Vorwärmer und Regelarmaturen. Im „105 bar“-Bereich befinden sich vorwiegend Mess- und Regelanlagen. Im „180 bar“-Bereich wird das Erdgas zunächst von Flüssigkeitströpfchen und Staubpartikeln gereinigt. Im Anschluss fließt das Erdgas in die Vorwärmung.

Dazu wird in Gasheizkesseln im Kesselhaus oder der KWK-Anlage Wasser auf 80 bis 90°C erhitzt. Das heiße Wasser fließt im Vorlauf zu den Rohrbündelwärmetauschern, wo das Erdgas erwärmt wird. Das nun kältere Wasser (ca. 55°C) fließt wieder zurück zu den Gasheizkesseln oder in die KWK Anlage. Dort wird es erneut erwärmt.

Der Onshore-Bereich teilt sich in einen Anlagenbereich mit 180 bar (maximal zulässiger Betriebsdruck) sowie einen „105 bar“-Bereich. Der „180 bar“-Bereich verfügt über Filter, Vorwärmer und Regelarmaturen. Im „105 bar“-Bereich befinden sich vorwiegend Mess- und Regelanlagen. Bevor das Erdgas durch NEL und OPAL auf die Weiterreise geht, werden kontinuierlich Menge und Zusammensetzung  gemessen. Der gesamte Prozess wird aus dem Betriebsgebäude und der Dispatching-Zentrale in Kassel überwacht und gesteuert.

Die folgenden vier Bilder zeigen einige Details zur Anlandung in Lubmin (Quelle Nordstream 2)

Anlandungsatation (Quelle Nordstream 2)

Die Erdgasübernahmestation in Lubmin bei Greifswald ist die Schnittstelle zwischen der Offshore-Pipeline Nord Stream und den beiden Anschlussleitungen NEL (Nordeuropäische Erdgasleitung) und OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung), die das russische Erdgas weiter zu den europäischen Transportkunden transportieren.

Molchschleuse  (Quelle Nordstream 2)

Der Bereich teilt sich in einen Anlagenbereich mit 180 bar (maximal zulässiger Betriebsdruck) sowie einen „105 bar“-Bereich. Der „180 bar“-Bereich verfügt über Filter, Vorwärmer und Regelarmaturen. Im „105 bar“-Bereich befinden sich vorwiegend Mess- und Regelanlagen. Im „180 bar“-Bereich wird das Erdgas zunächst von Flüssigkeitströpfchen und Staubpartikeln gereinigt. Im Anschluss fließt das Erdgas in die Vorwärmung.

Kugelhahn (Quelle Nordstream 2)

Dazu wird in Gasheizkesseln im Kesselhaus oder der KWK-Anlage Wasser auf 80 bis 90°C erhitzt. Das heiße Wasser fließt im Vorlauf zu den Rohrbündelwärmetauschern, wo das Erdgas erwärmt wird. Das nun kältere Wasser (ca. 55°C) fließt wieder zurück zu den Gasheizkesseln oder in die KWK Anlage. Dort wird es erneut erwärmt.

Abblaserohr (Quelle Nordstream 2)

Der Onshore-Bereich teilt sich in einen Anlagenbereich mit 180 bar (maximal zulässiger Betriebsdruck) sowie einen „105 bar“-Bereich. Der „180 bar“-Bereich verfügt über Filter, Vorwärmer und Regelarmaturen. Im „105 bar“-Bereich befinden sich vorwiegend Mess- und Regelanlagen. Bevor das Erdgas durch NEL und OPAL auf die Weiterreise geht, werden kontinuierlich Menge und Zusammensetzung  gemessen. Der gesamte Prozess wird aus dem Betriebsgebäude und der Dispatching-Zentrale in Kassel überwacht und gesteuert.

7. Weblinks und Kurzfilme zur Akademik Cherskiy und Fortuna

Daten und Bilder des Rohrlegers, abgerufen am 26. Dezember 2019 aus Wikipedia

„Rußland will Nord Stream 2 selbst fertigstellen“ in FAZ vom 27.12.2019 Seite 20

Film über den Rohrleger Akademik Cherskiy

Link zum Kurzfilm über die Fortuna in Wisar

Updated on 1. Januar 2026