Werften an der Oste

1. Einführung

Diesen Beitrag habe ich im April 2022 in Wikipedia hochgeladen.

Es gab viele Werften an der Oste, die meisten verschwanden um 1900, als der Holzschiffbau vom Stahlschiffbau abgelöst wurde. Bis 2010 war die Oste eine Bundeswasserstraße von Bremervörde bis zur Mündung in die Elbe. Der schiffbare Abschnitt von Bremervörde bis zur Mündung ist etwa 75 km lang und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Cuxhaven ist die dafür zuständige Behörde.

Lage der Werft an der Oste

2. Gnattenberg-Werft

In Bremervörde gab es eine Werft, die Gnattenberg-Werft, sie befand sich an der Oste direkt am Rand von Bremervörde. Sie wurde um 1830 vom Schiffszimmermann Diedrich Steffens gegründet.

Die folgende Fotografie der Bremervörder Werft mit den drei Schiffen hat nach Einschätzung des Heimatforschers Rainer Brandt einen einmaligen Charakter. Rainer Brandt erzählt in der Bremervörder Zeitung spannende Geschichten unter dem Motto “So sah es früher bei uns aus”

Im linken Bildbereich liegen zwei Schiffe auf dem Helgen. Im Vordergrund liegt der Besanewer die „Meta“ zur Reparatur, an Bord ist die stolze Familie Schnackenberg für die Nachwelt festgehalten worden. Das Foto dürfte um 1913 entstanden sein. Ansonsten erinnert heute kein Zeugnis mehr an diesen Betrieb an Bremervördes Gnattenberg.

In den Anfängen der Werft bis 1840 wurden etwa zehn Flussschiffe abgeliefert und weitere 30 unter den folgenden Besitzern. Es waren vorwiegend Torfkähne. Die 1/2-Hunt-Torfkähne wurden vorwiegend in den Schiffgräben und Moorkanälen der umliegenden Moore genutzt, die auch zur Entwässerung dienten. Sie transportierten Torf über die Hamme, Bever und der Oste sowie dem Oste-Hamme-Kanal nach Bremervörde, wo der Torf in Besanewer verladen und bis Hamburg transportiert wurde.

Bremervörde, die Schleuse (siehe Pfeil) führte vom Bremervörder Torfschiffhafen der Oberoste zum Haupthafen der Unteroste

Nachgebaute 1/2-Hunt-Torfkähne in der Hamme (Quelle Dr. Hochhaus)

3. Geschichte

Der Werftgründer Dietrich Steffens war der Sohn des Wassermüllers Kurt Steffens aus Bredemehe an dem Fluss Mehe. Dietrich Steffens hatte sich am 18. November 1830 in das Bremervörder Bürgerbuch eingetragen, im Oktober 1830 hat er Sofie Otten aus Oerel geheiratet und mit ihr 10 Kinder.

In den Anfängen der Werft bis 1840 wurden etwa zehn Flussschiffe abgeliefert. Es waren vorwiegend 1/2-Hunt- und 1-Hunt-Torfkähne. Die 1/2-Hunt-Torfkähne wurden vorwiegend in den Schiffgräben und Moorkanälen genutzt, die auch zur Entwässerung dienten. Sogenannte Klappstaue ermöglichten das problemlose Passieren der beladenen Torfkähne.Die 1-Hunt-Torfkähne transportierten Torf über die Hamme, die Bever und die Oste sowie über den 1790 fertiggestellten Oste-Hamme-Kanal nach Bremervörde, wo der Torf in Besanewer verladen und über die Unteroste und Elbe bis Hamburg transportiert wurde.

Wartende Besanewer im Hafen von Bremervörde zum Beladen von Torf für Hamburg (Quelle: Elfriede Bachmann, Rainer Brandt: BREMERVÖRDE Bilder aus der Geschichte einer Stadt, Borgardt Druck, Bremervörde 1987)

In die Gegenrichtung erfolgte der Transport von Torf von den Moordörfern Oste-Hamme Kanal weiter über die Hamme mit Umladung in den Hammehäfen nach Bremen.

Oste -Hamme-Kanal mit Klappstau (Quelle Wikipedia)

Ab 1840 entstanden auf der Gnattenberg-Werft nur noch Besanewer, es waren etwa 30 Besanewer, die in den folgenden Jahren hier auf dieser Werft entstanden. Die Werft wurde in den 1850er Jahren vergrößert, da der Schiffsverkehr stark zunahm. Etwa 5.000 in die Oste einlaufende Schiffe wurden von dem Zollschiff auf der Elbe vor der Oste registriert, davon liefen rund 1.000 Schiffe Bremervörde an. In dieser Zeit wurden von der Gnattenberg-Werft vorwiegend Reparaturen an den Bremervörde anlaufenden Ewern durchgeführt, die bis 1900 Getreide, Gemüse, Tabak und Ziegel aus den Ziegeleien in Kehdingen brachten.

Hier in den Hammehäfen wurde der Torf für Bremen in größere Schiffe verladen.

Auslaufend wurden sie neben Torf mit Holz, Glasprodukten, Wolle und Wachs beladen. Neben den Schiffsreparaturen nahm die Nachfrage im Schiffsneubau zu und es wurden zunehmend hölzerne Ewer von Dietrich Steffens konstruiert und gebaut. Am 8. Juni 1857 starb Dietrich Steffens und Klaus Matthias Breuer aus Wischhafen, der gemeinsam mit Dietrich Steffens die Werft geführt hatte, führte sie weiter. Klaus Matthias Breuer verstarb bereits am 11. März 1858 und sein ältester Sohn Carsten Breuer übernahm die Werft.


Bremervörder Hafen um 1900, im Hintergrund Besanwer beim Ladungsumschlag (Quelle: Elfriede Bachmann, Rainer Brandt: BREMERVÖRDE Bilder aus der Geschichte einer Stadt, Borgardt Druck, Bremervörde 1987)

4. Werftbesitzer

Der Schiffszimmermann Carsten Breuer war Steffens Nachfolger und setzte den Bau von Besanewern fort, die vorwiegend auf der Oste, Elbe und Weser und an der Küste fuhren. Carsten war zu dieser Zeit erst 20 Jahre, aber er war als Schiffbauer sehr erfolgreich, denn er baute etwa 25 Ewer auf der Gnattenberg-Werft. 1861 heiratete er Johanne Butt und am 19. März 1870 wurde die Tochter Anna Margaretha geboren. Inzwischen hatten sich am Gnattenberg eine Knochenmühle und eine Lohgerberei angesiedelt. 1882 verschwand Carsten Breuer spurlos und der Nachbar, der Lohgerber Gottfried Gustav Rolker kaufte 1884 die Werft und ließ sie von angestellten Schiffbauern weiterführen. 1891 verkaufte Rolker die Werft an den Schiffbaumeister Claudius Otto Dose.

1897 übernahm der Zimmermeister Claus Wilhelm Christoph Steffens aus Gebersdorf die Werft. Er erhielt nur noch wenig Neubauaufträge, da ab 1900 Ewer fast nur noch aus Stahl gebaut wurden. Wilhelm Steffens verstarb 1924 und sein Sohn Johann Hinrich Steffens übernahm die Werft. 10 Jahre später wurde in Hechthausen eine feste Eisenbahnbrücke Hechthausen über die Oste gebaut und ersetzte die bisherige Drehbrücke. Dadurch konnten keine Schiffe mit feststehenden Masten mehr nach Bremervörde kommen und das besiegelte das Ende der Werft. 1935 wurde die Werft nach über hundert Jahren geschlossen und das Grundstück wurde an einen benachbarten Holzhändler verkauft. Heute erinnert nichts mehr an diese Werft am Bremervörder Gnattenberg.

Updated on 25. November 2025